Events | Die Arbeitsprobleme des Schriftstellers im Exil: Bachtyar Ali im Dialog mit Texten Lion Feuchtwangers

Köln | 11. Juni 2024 | 19:00 (MESZ)

Lion Feuchtwanger in Sanary sur Mer. Courtesy of Feuchtwanger Memorial Library, USC (Montage, VATMH)

Buchvorstellung und Gespräch: Dienstag, 11. Juni 2024, 19 Uhr
Ort: KunstSalon, Brühler Straße 11-13, 50968 Köln
Tickets: 10 Euro; Anmeldung unter: ticket@kunstsalon.de
Weitere Informationen

Buchvorstellung mit Nele Holdack, Marje Schuetze-Coburn und Michaela Ullmann (Herausgeberinnen von „Lion Feuchtwanger: ,Bin ich deutscher oder jüdischer Schriftsteller?‘“)
Lesungen von Jonas Baeck
Gespräch mit dem Autor Bachtyar Ali
Moderation: Shelly Kupferberg

Im Jahr 1943, mitten im Strudel des Zweiten Weltkriegs, hielt Lion Feuchtwanger auf dem Schriftstellerkongress in Los Angeles eine wegweisende Rede mit dem Titel "Die Arbeitsprobleme des Schriftstellers im Exil". Er behandelte darin sowohl die tiefgreifende innere Zerrissenheit als auch die praktischen Schwierigkeiten des täglichen Lebens fern der Heimat. Feuchtwanger, der seit 1933, dem Jahr seiner Verbannung durch das Nazi-Regime, im Exil lebte, teilte seine persönlichen Erfahrungen und Einsichten. Er verstarb 1958, ohne je wieder deutschen Boden betreten zu haben. Heute, in einer Zeit, in der politische Unruhen und Konflikte Menschen weltweit zur Flucht zwingen, gewinnt das Thema Exil erneut an Brisanz.

In einem Gespräch mit dem irakisch-kurdischen Schriftsteller Bachtyar Ali, der seit Mitte der 1990er Jahre im deutschen Exil lebt, sollen vor der Folie der Texte Lion Feuchtwangers die komplexen Dimensionen des Schreibens und Lebens im Exil erforscht und ein tieferes Verständnis für die Herausforderungen, mit denen sich exilierte Schriftsteller:innen konfrontiert sehen, gewonnen werden: Wie prägt das Exil die künstlerische Identität und das Schaffen eines Autors? Welche Rolle spielt Kunst bei der Bewältigung von Exilerfahrungen und der Förderung interkulturellen Verständnisses? Wie können exilierte Schriftsteller ihre Stimmen einsetzen, um auf politische Missstände hinzuweisen und Veränderungen zu bewirken? Welche Perspektiven und Hoffnungen können die Erfahrungen und Werke von Feuchtwanger und Ali heutigen Exilanten bieten?

Mit ...

Bachtyar Ali

Bachtyar Ali, geboren 1966 in Sulaimaniya, Kurdistan, ist ein irakischer Schriftsteller, dessen Werke durch Exilerfahrungen und die Konflikte seiner Heimat geprägt sind. Nachdem er sich 1983 während seiner Studienzeit gegen Saddam Husseins Diktatur engagierte, wandte er sich der Poesie zu und brach sein Geologiestudium ab. Sein literarischer Durchbruch kam 1992 mit "Gunah w Karnaval" (Sünde und Karneval), wodurch er zum führenden zeitgenössischen Autor des autonomen irakischen Kurdistans avancierte. Seine in viele Sprachen übersetzten Werke, darunter Romane, Gedichte und Essays, brachten ihm internationale Anerkennung und Preise wie den Nelly-Sachs-Preis 2017 und den Hilde-Domin-Preis 2023 ein. 

Seit den 1990er Jahren lebt Ali im deutschen Exil, wo er die kreative Freiheit genießt, unzensiert zu schreiben. Seine Werke erforschen die Traumata, das Leid sowie die Schönheit Kurdistans und des Lebens im Exil. Durch das Schreiben in seiner Muttersprache Sorani baut er eine direkte Verbindung zu seinem Publikum auf. Ali sieht das Exil als Chance, Identität, Heimat und Freiheit neu zu interpretieren. Seine literarische Stimme verleiht den Themen Humanität und Hoffnung und macht ihn zu einer wichtigen Stimme in der Exilliteratur. Seine Bücher werden vom Züricher Unionsverlag auf Deutsch veröffentlicht. 

Jonas Baeck

Jonas Baeck, geboren 1981 in Köln, absolvierte sein Schauspielstudium an der renommierten Folkwang Universität der Künste in Bochum. Seine berufliche Laufbahn umfasst Engagements an verschiedenen renommierten deutschen Bühnen, einschließlich des Staatstheaters Mainz, des Nationaltheaters Mannheim und des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg. Seit 2011 ist er Ensemblemitglied des Kölner Theaterensembles "Acting Accomplices", das er mitbegründete. 

Er wirkte in beliebten Serien wie "Club der roten Bänder" und "Lu von Loser" mit und spielte in Kinoproduktionen, darunter "Kleinstatthelden" und "Der König von Köln". Darüber hinaus hat er sich als Hörbuchsprecher etabliert und trägt regelmäßig zu Beiträgen für den WDR und Deutschlandfunk bei. Science-Fiction-Fans kennen ihn zudem als eine der Stimmen der wöchentlich erscheinenden Perry Rhodan-Hörbücher. 2022 veröffentlichte er sein erstes Buch "Wenn die Sonne rauskommt, fahr ich ohne Geld: Mit dem Roller nach Dublin", in dem er über seine Reiseerlebnisse berichtet. 

Nele Holdack

© Urban Zintel Fotografie

Nele Holdack ist seit 2024 Co-Herausgeberin der "Anderen Bibliothek" im Aufbau Verlag. Als leitende Lektorin für moderne Klassik und Klassik verantwortete sie die Herausgabe von Werken von Autor:innen wie Brigitte Reimann, Tillie Olsen, Hans Fallada, Victor Klemperer und Mark Twain.  

Shelly Kupferberg

© David Frank

Shelly Kupferberg wurde 1974 in Tel-Aviv geboren, wuchs in West-Berlin auf. Sie studierte Publizistik, Theater- und in Berlin. Neben zahlreichen Beiträgen für die ARD moderiert sie seit fast 30 Jahren Kultur-, Literatur und Gesellschaftsmagazine (DLF Kultur und rbbKultur). Neben ihren regelmäßigen Live-Radiosendungen moderiert sie Konzerte, Lesungen und Tagungen, sowie Veranstaltungen für Kultureinrichtungen und Festivals. Im Herbst 2022 erschien ihr literarisches Debüt „Isidor“ bei Diogenes und stand auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Shelly Kupferberg lebt in Berlin. 

Marje Schuetze-Coburn

Marje Schuetze-Coburn ist Associate Dean für Faculty Affairs und Feuchtwanger-Bibliothekarin an den USC-Bibliotheken. In ihrer Zeit an der USC hat Schuetze-Coburn in zahlreiche Positionen gearbeitet, darunter Associate Dean for Faculty Affairs, Dean of Research, Director of Special Collections & Archives, Senior Associate Dean. 

Michaela Ullmann

Michaela Ullmann ist seit Februar 2023 Leiterin des Bereichs Instruction and Assessment und führt die Abteilung Teaching & Learning der USC-Bibliotheken. Von 2006 bis 2023 betreute Michaela die Feuchtwanger Memorial Library der USC-Bibliotheken.

Eine Veranstaltungskooperation von KunstSalon Köln e. V. und Villa Aurora & Thomas Mann House e. V. 

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