55 Voices for Democracy – Der Podcast

Die Serie 55 Voices for Democracy knüpft an die 55 BBC-Radioansprachen an, in denen sich Thomas Mann während der Kriegsjahre von seinem Haus in Kalifornien aus an Hörer:innen in Deutschland, der Schweiz, Schweden, den besetzten Niederlanden und Tschechien wandte. Von 1940 bis 1945 appellierte er monatlich an tausende Hörer:innen, sich dem nationalsozialistischen Regime zu widersetzen und wurde so zur bedeutendsten deutschen Stimme im Exil. Thomas Manns Überzeugung, dass die „soziale Erneuerung der Demokratie“ Voraussetzung und Rechtfertigung für ihren Sieg ist, ist aktueller denn je. In dieser Podcast-Reihe tauschen sich Intellektuelle, Künstler:innen und Aktivist:innen darüber aus, wie freiheitliche Demokratie heute erneuert und verteidigt werden kann.

Moderation:

Tom Zoellner (Moderation) ist Journalist und Autor. Seine Bücher, darunter Uranium Train und The Heartless Stone, stehen regelmäßig auf der Bestsellerliste der New York Times. Er lehrt an der Chapman University und am Dartmouth College. Er ist Politikredakteur bei Los Angeles Review of Books und ehemaliger Reporter des San Francisco Chronicle.

Aida Baghernejad (Co-Host) ist Journalistin mit Sitz in Berlin. Ihre Beiträge erscheinen in internationalen Medien wie der F.A.Z., der San Francisco Chronicle, Intro, Spex sowie Deutschlandfunk Kultur. Sie unterrichtete am King's College London und an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Episoden:

42 Veronika Fuechtner über Thomas Manns Konstruktion von "Deutschtum" und Ethnie

Die brasilianische Herkunft seiner Mutter empfand Thomas Mann zunächst als eine Quelle der Scham, aber das Verhältnis zu seinen Wurzeln änderte sich in den 1920ern, "als sich sein Verständnis seiner Rolle in der Gesellschaft und der Demokratie veränderte", so Veronika Fuechtner. Die Professorin für Germanistik in Dartmouth spricht über ethnische und sexuelle Ambiguität in Manns Werk und erklärt, warum er in die USA statt nach Brasilien exilierte. Fuechtner, die auch Gender Studies unterrichtet, ist Mitautorin von A Global History of Sexual Science 1880-1960 (2017) und arbeitet derzeit an einer Monografie über Manns Mutter und seine Konstruktion von Ethnie und "Deutschtum".

41 Ulrich Johannes Schneider über Bibliotheken als demokratische Räume  

"Wenn Politiker*innen Bibliotheken schließen wollen, weil alles online verfügbar ist, sollte man sie daran erinnern, dass diese nicht nur für Bücher da sind, sondern für Menschen", sagt Fellow Ulrich J. Schneider. Der ehemalige Direktor der Universitätsbibliothek Leipzig erforscht den sozialen Status von Bibliotheken in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten anhand ihrer Nutzung. Hier erläutert er, wie öffentliche Bibliotheken zu Orten des Handelns und "geistiger Mobilisierung" unabhängig von sozialem Status wurden, warum Bibliotheken immer auch Diskussionsforen sein sollten und was wissenschaftliche Bibliotheken tun können um Demokratie zu stärken. 

40 Rosecrans Baldwin über Los Angeles als Stadtstaat  

L.A. faszinierte nicht nur Thomas Mann und andere europäische Exilant:innen in den 1930/1940ern, sondern ist bis heute ein progressiver Schmelztiegel für verschiedenste Kulturen, soziale Schichten und neue politische Initiativen. In seinem kürzlich erschienenen Bestseller Everything Now: Lessons From the City-State of Los Angeles richtet der preisgekrönte Autor Rosecrans Baldwin den Blick auf die Metropole, die für ihn "ein vollwertiger moderner Stadtstaat" ist. Hier spricht Baldwin über die Wohnungskrise, Stadtplanung und was sich aus dem Vergleich der Infrastruktur von L.A. mit der von Berlin lernen lässt. Baldwin ist der Gewinner des California Book Award 2022.  

39 Christine Landfried über das demokratische Potenzial von Bürgerversammlungen  

Wenn es um Politik geht, ist "Misstrauen eine sehr gesunde Sache", sagt 2022 Thomas Mann Felllow Christine Landfried. Vertrauensverlust hingegen führe dazu, dass sich Menschen völlig von der Politik abwendeten. In dieser Folge erläutert die Professorin für Politikwissenschaft, wie neu eingeführte Bürgerversammlungen Demokratie stärken können, indem sie nicht nur direktes Mitspracherecht geben, sondern auch Menschen mit unterschiedlichem kulturellem und sozialem Hintergrund zusammenbringen. Landfried hat Bürgerversammlungen beobachtet und in verschiedenen deutschsprachigen Medien prominent über sie berichtet.  

38 Matthew Continetti über Populismus und Konservatismus in der „amerikanischen Rechten“
 
„Die politische Rechte ist immer weniger daran interessiert, eine bestimmte Vorstellung von einer begrenzt einflussnehmenden Regierung zu verteidigen, sondern eher daran, Kulturkämpfe gegen die Linke zu führen“, meint Matthew Continetti, Autor und Historiker mit Fokus auf die Entwicklung der amerikanischen konservativen Bewegung im 20. Jhdt.. In dieser Folge erläutert, dass die größten Erfolge der Rechten nicht auf ihre eigene Agenda zurückzuführen sind, sondern auf eine Überregulierung durch die Liberalen, und dass sich das Terrain, auf dem Politik gemacht wird, von Befugnissen des Staates auf Auseinandersetzungen über das Wesen Amerikas verlagert hat. Sein jüngstes Buch The Right: The Hundred-Year War for American Conservatism wurde 2022 veröffentlicht.
37 Diana Garvin über die politische Bedeutung von Essen

Historikern Diana Garvin argumentiert, dass Italiens faschistische Regierung früh versuchte, einen kulinarischen Nationalismus zu kreieren: Durch eine Umdeutung der la cucina povera (die Küche der Armen) zu einem Ausdruck nationaler Größe, sollte ein Gefühl des Stolzes auf lokale Produkte gestärkt werden, um die faschistische Wirtschaft zu unterstützen. Diana Garvin ist Professorin für Italienisch an der Universität von Oregon und hat sich intensiv mit der Rolle von Lebensmitteln im Faschismus beschäftigt. In dieser Folge erklärt sie, wie Essen für Nationen identitätsstiftend war und bleibt und was eine Mahlzeit faschistisch oder antifaschistisch macht. Garvin ist die Autorin des 2022 erschienenen Buches Feeding Fascism: The Politics of Women's Food Work.
36 Craig Calhoun über Nationalismus und Protestbewegungen
Können wir unser Verständnis von Nationalismus so umgestalten, dass er sogar hilfreiche Ressource für Veränderung werden kann? Der Sozialwissenschaftler Craig Calhoun plädiert für ein komplexeres Verständnis von Nationalismus: Einerseits kann er Schaden anrichten, wenn er von populistischen Bewegungen missbraucht wird, andererseits sind Nationalstaaten der rechtliche Rahmen und die Grundlage für internationale Abkommen und multilaterale Politik. Craig Calhoun ist Professor für Sozialwissenschaften an der Arizona State University und Autor zahlreicher Bücher, zuletzt Degenerations of Democracy, das er gemeinsam mit Dilip Parameshwar Gaonka und Charles Taylor verfasst hat.

35 Ruben Neugebauer über Seenotrettung und die Krise im Mittelmeer

Die zivile Seenotrettung durch Organisationen wie Sea-Watch rettet Menschenleben, aber das Grundproblem liegt nicht in der Seenotrettung, sondern in der Tatsache, dass Europa für viele Schutzsuchende abgeschottet ist, sagt Ruben Neugebauer. Neugebauer ist Mitbegründer von Sea-Watch, einer Non-Profit-Organisation, die sich für Such- und Rettungseinsätze auf dem Mittelmeer sowie für die sichere Überfahrt von Flüchtlingen einsetzt. In dieser Folge spricht er mit Aida Baghernejad über Möglichkeiten zur Reform der europäischen Migrationspolitik. Neugebauer ist Fotojournalist, Geochemiker und Aktivist.

34 Lawrence Douglas über die Reform des Wahlsystems

Wie kann Vertrauen in demokratische Wahlen wiederhergestellt werden und mit welchen Problemen sind die Wahlsysteme heute konfrontiert? In seinem Buch Will He Go? Trump and the Looming Electoral Meltdown in 2020 hat Lawrence Douglas mit schockierender Klarheit vorhergesagt, wie Trump die Präsidentschaftswahlen 2020 zu kippen gedenkt. Er spricht mit Aida Baghernejad über Möglichkeiten zur Stärkung des Wahlsystems und zur Wiederherstellung des Vertrauens in transparente und zuverlässige Wahlen. Lawrence Douglas ist Professor of Law, Jurisprudence and Social Thought am Amherst College.

33. Mohamed Amjahid über den Schutz von Minderheiten

Was ist in unseren Gesellschaften verhandelbar? Mohamed Amjahid spricht mit Aida Baghernejad über die Gefahren der Mehrheitsherrschaft und warum für ihn der Schutz von Minderheiten den Kern von Demokratie ausmacht. Amjahid ist politischer Journalist, Buchautor und Moderator. Er war Redakteur beim ZEITmagazin, wurde unter anderem mit dem Alexander-Rhomberg-Preis und dem Henri-Nannen-Preis ausgezeichnet. Für seine Bestseller Unter Weißen und Der Weisse Fleck erhielt Amjahid große Aufmerksamkeit. Amjahid ist 2022 Fellow im Thomas Mann House in Los Angeles.

32. Aurora Almendral über die politische Situation auf den Philippinen

In dieser Folge analysieren Tom Zoellner und Journalistin Aurora Almendral die politische Situation auf den Philippinen: Wie gefährdet Präsident Rodrigo Duterte, den viele für seine autokratische Regierungsführung kritisieren, die demokratischen Strukturen im Land? Wie wirkt sich dies auf die lebendige Presse- und Journalismuskultur aus? Almendral ist eine preisgekrönte, auf den Philippinen geborene Journalistin, die für die New York Times, das New York Times Magazine und das National Geographic Magazine schreibt. Sie berichtet über Themen wie globale Lieferketten, Frauen in der globalen Migration, Klimawirtschaft und Politik auf den Philippinen.

31. David Kipen über den Neustart des Federal Writer's Project

1935 wurde das Federal Writer's Project von Präsident Roosevelt ins Leben gerufen, um während der Großen Depression Arbeitsplätze für arbeitslose Schriftsteller*innen zu schaffen und für ein lebendiges literarisches Klima in den USA zu sorgen. David Kipen, ein in L.A. lebender Autor, Kritiker, Rundfunksprecher, Mitglied der UCLA Writing Faculty und Gründer der gemeinnützigen Leihbibliothek Libros Schmibros, ist eine treibende Kraft hinter der Erneuerung der Initiative. In dieser Folge spricht er darüber, wie ein Projekt wie dieses dazu beitragen kann, mehr Neugierde und Toleranz in einer Gesellschaft zu wecken.

30. Birte Meier über Equal Pay

Was kann Deutschland von Kalifornien im Bezug auf Equal Pay lernen? Dieser Frage geht Birte Meier während ihres Fellowships am Thomas Mann House in Los Angeles nach. In dieser Episode 55 Voices for Demcoracy spricht sie darüber, wie die der kalifornische Equal Pay Act wirksam vor Diskriminierung schützt – etwa in dem er Arbeitnehmer:innen erlaubt, offen über ihre Gehälter zu sprechen. Die preisgekrönte Journalistin Birte Meier studierte North American Studies, Neuere Geschichte und Journalismus. Seit 2007 arbeitet sie als ZDF-Redakteurin und macht investigative Wirtschaftsgeschichten und hintergründige Politikbeiträge.
29. Sonia Faleiro über politische Unterdrückung in Indien
 
Die preisgekrönte Journalistin Sonia Faleiro spricht in dieser Episode über gefährliche Entwicklungen der indischen Demokratie unter Premierminister Narendra Modi. Die Unterdrückung der muslimischen Minderheit und Einschränkungen der demokratischen Öffentlichkeit hätten dramatische Ausmaße angenommen. Sie ist der Überzeugung, dass nur ein Demokratiebewegung in der Größenordnung des indischen Freiheitskampfes einen echten Wandel bringen könne. Sonia Faleiro ist in Indien aufgewachsen und lebt in London. Ihr aktuelles Buch The Good Girls (Penguin, 2021), wurde vom Wall Street Journal „ein fesselndes, manchmal verblüffendes Werk des forensischen Journalismus“ genannt.
28. Daniel Ziblatt über widerstandsfähige Demokratien | Eine Kollaboration mit der German American Conference at Harvard
 
In dieser Kollaboration mit der German American Conference at Harvard spricht Daniel Ziblatt über den Verfall von Demokratien und was sie widerstandsfähig macht. Ziblatt ermutigt uns: „Wir sollten keine Angst davor haben, unsere Verfassung und unsere Institutionen zu reformieren.“ Im Gespräch mit den Moderator*innen Anne McElvoy und Tom Zoellner argumentiert er, dass starke Zivilgesellschaften, robuste Medien, unabhängige Berufe und starke Oppositionen der Schlüssel zu starken Demokratien sind. Daniel Ziblatt ist Professor für Regierungslehre an der Harvard University und Direktor der Abteilung Transformations of Democracy am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).
27. Tobias Boes über Thomas Manns Krieg
 
Wie nutzte Thomas Mann das damals noch junge Medium Radio für seinen Kampf gegen den Faschismus? Wie kanalisierte er unterdrückte Energien in politischen Aktivismus? Der Literaturwissenschaftler Tobias Boes, Autor des Buches Thomas Mann's War: Literature, Politics, and the World Republic of Letters (Cornell University Press, 2019), erörtert Thomas Manns Rolle als politische Figur in den Vereinigten Staaten und wie er politische Themen mit den Augen eines Schriftstellers anging. In dieser Folge erfahren wir mehr über Manns Reden, wie er Radio als politisches Medium nutzte und was wir heute von Thomas Manns politischem Engagement lernen können. Tobias Boes ist Professor und Lehrstuhlinhaber für deutsche und russische Sprachen und Literatur an der University of Notre Dame.
26. Jubiläumsepisode: Ein Jahr 55 Voices for Democracy Podcast
 
Der Podcast feiert diesen Monat seinen ersten Geburtstag! Zeit auf die ersten 25 Episoden zurückzublicken und zu reflektieren was bisher geschah. Die Moderator*innen Tom Zoellner und Aida Baghernejad sprechen über ihre persönlichen Highlights und Lieblingsmomente des Podcasts vor dem Hintergrund ihrer eigenen Biografien. Wie haben ihre individuellen politischen und beruflichen Hintergründe geprägt, wie sie an den Podcast herangehen und die Gäste interviewen? Was können wir von einem deutschen und einem US-amerikanischen Standpunkt im Podcast lernen und wie können diese unterschiedlichen politischen Systeme hilfreich sein, um ein tieferes Verständnis von Demokratie zu bekommen? In dieser Folge erfahren wir mehr über die Hosts.
25. Emilia Roig über Intersektionalität
 
„Wir müssen an das gesamte Gefüge unserer Gesellschaft denken und wir müssen mutig sein!“ Die französische Politikwissenschaftlerin Emilia Roig spricht von der Überschneidung und Gleichzeitigkeit verschiedener Kategorien der Diskriminierung bestimmter Minderheiten. Die zugrunde liegenden gesellschaftlichen Hierarchien spielen eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung dieser Ungerechtigkeiten. Inwiefern sind Institutionen wie Universitäten oder auch die der Ehe mitschuldig an der Aufrechterhaltung dieser Ungerechtigkeiten? Roig ist Gründerin des Center for Intersectional Justice, einer Organisation, die gegen sich überschneidende Formen von Ungleichheit in Europa kämpft. Im Jahr 2021 veröffentlichte sie den Bestseller Why We Matter. Das Ende der Unterdrückung (Aufbau Verlag)
24. Timothy Snyder über Widerstand gegen Autoritarismus
 
„Das Problem sind wir selbst.” Timothy Snyder beschreibt, warum die Herausforderungen für unsere Demokratien nicht so sehr in politischen Persönlichkeiten wie Trump liegen, sondern in uns selbst als Bürger. Snyder sagt, es gehe darum, soziale Barrieren abzubauen und gleichzeitig strukturelle politische Probleme wie Wählerunterdrückung und die Manipulation des Wahlkollegiums anzugehen. „Ein gescheiterter Putschversuch ist eine Probe für einen späteren Putsch”. Timothy Snyder lehrt Geschichte in Yale. Sein Buch On Tyranny wurde in mehr als 40 Sprachen übersetzt und alleine in den USA fast eine halbe Million Mal verkauft. Es wurde 2021 von Ten Speed Press in einer von Nora Krug illustrierten Ausgabe veröffentlicht.“
23. Samuel Moyn über die Idee humaner Kriege
 

Wochen nach dem Abzug westlicher Streitkräfte aus Afghanistan denkt der Rechtshistoriker Samuel Moyn kritisch über das Streben nach 'humanen Kriegen' nach. „Wir bekämpfen Kriegsverbrechen, haben aber das Verbrechen des Krieges vergessen,” sagt Moyn. So hätten die Kriege der letzten Dekaden zu einer Fixierung auf die Mittel des Krieges, statt zu einer Diskussion darüber geführt, wie diese nachhaltig zu Beenden seien. Samuel Moyn ist Professor für Rechtswissenschaft an der Yale Law School und Professor für Geschichte an der Yale University. Zu seinen Büchern gehören Not Enough: Human Rights in an Unequal World und Humane. How the United States Abandoned Peace and Reinvented War.

22. Stephanie Kelton über Demokratie und den Defizit-Mythos
 
Stephanie Kelton erklärt, wie Defizite Volkswirtschaften stärken und für Demokratien gesund sein können. Sie argumentiert, dass es keine budgetäre Beschränkungen für Staatsausgaben gibt und plädiert dafür, unsere Sichtweise auf öffentliche Schulden zu hinterfragen. Stephanie Kelton ist Professorin für Wirtschaft und öffentliche Ordnung an der Stony Brook University. Sie ist ehemalige Chefvolkswirtin des Haushaltsausschusses des US-Senats. Sie wurde von POLITICO zu einer der 50 Personen mit dem größten Einfluss auf die politische Debatte in Amerika ernannt. Sie ist eine regelmäßige Kommentatorin im nationalen Radio und Fernsehen in den Vereinigten Staaten. Ihr mit Spannung erwartetes Buch The Deficit Myth, wurde sofort ein Bestseller der New York Times.
21. Susan Bernofsky zum Übersetzen und der Pluralität von Sprache
 
Susan Bernofskys neue Übersetzung von Thomas Manns "Der Zauberberg" wird mit Spannung erwartet. In dieser Folge spricht sie über Thomas Manns Multikulturalität und das Übersetzen zwischen Sprachen und Kulturen. Bernofsky erzählt auch von ihren Erfahrungen als jüdische Amerikanerin in Europa und über den Aufstieg der globalen, pluralen englischen Sprache. Susan Bernofsky ist preisgekrönte Übersetzerin des großen schweizerisch-deutschen Autors Robert Walser sowie von Romanen und Gedichten von Yoko Tawada, Uljana Wolf, Franz Kafka, Hermann Hesse und anderen. Ihre Biographie über Walser, "Clairvoyant of the Small", erschien 2021. Sie wurde mit dem Guggenheim-, Cullman- und Berlin-Preis ausgezeichnet. Sie lehrt literarische Übersetzung an der Columbia University.
20. Mithu Sanyal über ‚Transracialism‘ und Identität
 
Während Gender-Fluidität in den letzten Jahren in den USA und in Deutschland mehr und mehr normalisiert und akzeptiert wurde, werfen Fragen der Überschreitung von Rassenkategorien immer noch viele Fragen in zeitgenössischen Diskursen um Identität auf. Ein prominentes Beispiel ist der Fall von Rachel Dolezal, einer ehemaligen College-Professorin und Aktivistin, die sich als Schwarze ‚identifizierte', obwohl sie von zwei weißen Eltern geboren wurde. Inspiriert von Dolezals Geschichte zeigt Mithu Sanyals neustes Buch Identitti (Hanser Verlag, 2021) die mächtige Rolle von Internet-Kultur in Diskursen um Sexualität und Queerness in einem multikulturellen Kontext. In der heutigen Folge diskutiert die deutsche Kulturwissenschaftlerin, Journalistin und Autorin über aktuelle politische Debatten um Fragen von Rasse und Identität.
19. David Himbara über bedrohliche Entwicklungen in Ruanda
 
War seine Regierung lange Zeit ein Versprechen für Aussöhnung und Entwicklung, so begegnet Ruandas Präsident Paul Kagame zunehmender internationaler Kritik. Human Rights Watch und andere Institutionen werfen seiner Regierung vor, Oppositionelle zu misshandeln oder verschwinden zu lassen. Im Zentrum der Kritik steht unter anderem die Entführung Paul Rusesabagina, zentrale Figur des Films Hotel Ruanda und Träger der US Presidential Medal of Freedom. Tom Zoellner und Aida Baghernejad sprechen mit mit dem ruandischen Politikwissenschaftler und Ökonom David Himbara über die bedrohlichen Entwicklungen in seinem Heimatland und die dortige Menschenrechtslage.

18. Colm Toíbín über Thomas Mann und Demokratie

Der irische Autor, Journalist und renommierte Geisteswissenschaftler Colm Toíbín spricht über Thomas Manns Entwicklung zum Demokraten und die historischen Umstände, die Manns politisches Denken prägten. Toíbíns mit Spannung erwarteter neuer Roman The Magician erzählt das Leben von Thomas Mann, eine epische Familiensaga, die sich über ein halbes Jahrhundert erstreckt. Mit unseren Hosts diskutiert er Manns Beziehung zu den Vereinigten Staaten, seine Bewunderung für Franklin D. Roosevelt und wie sich Mann von einem „unpolitischen“ Autor zu einem wichtigen Verfechter der Sozialdemokratie entwickelte.

17. Joyce Marie Mushaben über ein Post-Merkel-Deutschland

Wie könnte ein Post-Merkel-Deutschland aussehen? Inwiefern hat sich Deutschland in den 16 Jahren von Merkels Regierung verändert und steht Deutschland nach den progressiveren Entwicklungen der letzten Jahre eine politischer Backlash bevor? Politikwissenschaftlerin Joyce Marie Mushaben diskutiert die anhaltenden Disparitäten zwischen Ost- und Westdeutschland, Fragen von Geschlechterrollen in deutscher Politik und den Aufstieg einer neuen Rechten in Deutschland. Mushaben ist Fakultätsmitglied am BMW Zentrum für Deutschland- und Europastudien an der Georgetown University und arbeitet mit dem feministischen Think-Tank Gender5 Plus zusammen.

16. Max Czollek über Vielfalt und einen neuen deutschen Nationalismus

Dichter und Schriftsteller Max Czollek spricht darüber, warum ihm die deutsche Erinnerungskultur oft inszeniert erscheint und wie eine radikal vielfältige demokratische Gesellschaft aussehen könnte. Czolleks Bücher Gegenwartsbewältigung und Desintegriert Euch! wurden in den deutschen Medien breit diskutiert und Czollek wurde zu einer der präsentesten Stimmen zu Themen wie jüdischer Identität im heutigen Deutschland, Rassismus und Integration. Seine täglichen Tweets, die problematische Aspekte der deutschen Kultur ansprechen, erreichen allein auf Twitter mehr als 46.000 Subscriber.

15. Andreas Reckwitz über die Covid-19-Pandemie und ihre Auswirkungen auf spätmoderne Gesellschaften

Wie können sich Gesellschaften und Staaten nach der Pandemie neu erfinden? Andreas Reckwitz, Soziologe, Kulturtheoretiker und einer der bedeutendsten deutschen Geisteswissenschaftler der Gegenwart, spricht darüber, was die Covid-19-Pandemie aus soziologischer Sicht für eine spätmoderne Gesellschaft bedeutet. Während die Pandemie einerseits strukturelle Probleme wie Ungleichheit aufzeigt, können wir andererseits auch auf eine Veränderungen der Gesellschaft in der Zeit danach hoffen? Reckwitz ist Autor von Büchern wie Die Gesellschaft der Singularitäten (2017) sowie Thomas Mann Fellow 2022.

14. Nora Krug über Heimat und historisches Gedächtnis

Nationale Identität, Vorstellungen von Zugehörigkeit und der Aufstieg der neuen Rechten auf beiden Seiten des Atlantiks: Nora Krug spricht über das Revival des konfliktreichen Begriffs ‚Heimat' und die politischen Gefahren, die aus einem fehlgeleiteten Sinn für nationale Nostalgie entstehen können. Krug diskutiert Fragen historischer Erinnerung und wie sie in Form eines Comics reflektiert werden können. Sie ist die Autorin und Illustratorin des Graphic Novels Heimat. Ein deutsches Familienalbum, für den sie 2018 mit dem National Book Critics Circle Award in der Kategorie Autobiografie ausgezeichnet wurde.

13. Keisha N. Blain über afroamerikanische Geschichte und selektive Erinnerung

Die Historikerin Keisha N. Blain, Professorin an der University of Pittsburgh und Präsidentin der African American Intellectual History Society, veröffentlichte vor kurzem mit Ihrem Kollegen Ibram X. Kendi das vielbeachtete Buch Four Hundred Souls: A Community History of African America 1619-2019. In dieser Folge spricht Blain über die Erinnerung an den 400. Jahrestag der Ankunft der ersten zwanzig afrikanischen Gefangenen in Jamestown, Virginia und reflektiert über die Geschichte 'Black Americas', Rassismus, Wahlrecht und soziale Gerechtigkeit heute.

12. Luisa Neubauer über Träumen als Mittel zur Veränderung

Die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer ist eine der Hauptorganisatoren der Fridays for Future-Bewegung in Deutschland, einer internationalen Bewegung von Schüler*innen, die Maßnahmen gegen den Klimawandel fordern. In dieser Folge spricht sie über ihr Engagement und die Dynamik der Bewegung, Klimabewusstsein in den USA und Deutschland sowie über Träumen als Werkzeug für Veränderungen: „Auf der einen Seite müssen wir die Katastrophen, die auf uns zukommen, akzeptieren, aber auf der anderen Seite müssen wir uns auch erlauben, groß zu träumen.“ Neubauer ist Co-Autorin des Buches Vom Ende der Klimakrise - Eine Geschichte unserer Zukunft.

11. Deborah Feldman über Religion, Integration und politische Partizipation

Die deutsch-amerikanische Schriftstellerin Deborah Feldman unterhält sich mit Tom Zoellner und Aida Baghernejad über jüdische Kultur in Berlin, politische Partizipation von Religionsgemeinschaften und die Bedeutung von Vertrauen in Demokratien: „Wir müssen jene Art von persönlichem Vertrauen, die wir als Individuen miteinander haben, auch im öffentlichen Raum etablieren.“ Sie ist der Autorin des Buchs Unorthodox (2012), in dem sie die Geschichte ihrer Flucht aus einer ultra-orthodoxen jüdischen Gemeinde in Brooklyn, New York, erzählt. Das Buch war die Grundlage für die Netflix-Miniserie Unorthodox (2020).

10. Brad Smith über digitale Technologie in der Politik

„Wir müssen aufstehen und unsere Verantwortung für all die Implikationen übernehmen, die die Technologie geschaffen hat“: Brad Smith, Präsident von Microsoft und Autor des Buches Tools and Weapons: The Promise and the Peril of the Digital Age (2019), liefert ein starkes Argument für die politische und moralische Verantwortung der großen Tech-Konzerne. Smith diskutiert „die Rolle digitaler Technologie in der Welt der Politik“ und warum „technologische Ungleichheit“ mehr und mehr zu einer Quelle sozialer Ungerechtigkeit wird.

Foto: © Web Summit

9. Igor Levit über die Beharrlichkeit der Künste

Der Pianist Igor Levit spricht über die Beharrlichkeit der Kunst angesichts politischer Bedrohungen und weshalb Europäer*innen Gefühle kultureller Überlegenheit abbauen sollten. Levits Musik konzentriert sich auf die Werke von Bach, Beethoven und Liszt, doch ist er auch dafür bekannt, ein politisch engagierter Künstler zu sein: Mehrfach äußerte er sich gegen Antisemitismus und Rassismus. Levit appelliert an die Fähigkeit der Musik, uns erinnern und verstehen zu lassen. Er ist Professor an der Hochschule für Musik in Hannover. Sein Buch Hauskonzert erscheint im April im Hanser Verlag.

Foto: © Felix Broede

8. Chantal Mouffe über den Konflikt als politisches Gut

In dieser Folge geht die belgische politische Theoretikerin Chantal Mouffe der Frage nach, warum Demokratie turbulent sein muss und wie ein demokratisches Ethos der Gleichheit und sozialen Gerechtigkeit entstehen kann. Vor allem in künstlerischen Praktiken entdeckt sie in ihrem Gespräch mit Tom Zoellner und Aida Baghernejad überraschende Potenziale. Chantal Mouffe ist bekannt für ihre Bücher For a Left Populism (2018) und Agonistics: Thinking the World Politically (2013). Sie ist Professorin am Department of Politics and International Relations an der University of Westminster.

7. Daniel Kehlmann über Populismus, Macht und Literatur

Der deutsch-österreichische Romancier und Dramatiker Daniel Kehlmann spricht mit den Hosts Aida Baghernejad und Tom Zoellner über die Ursachen für den Aufstieg populistischer Politiker und „Literatur als die ultimative Schule der Empathie.“ Sein Buch Die Vermessung der Welt (2006) gehört zu den weltweit meistverkauften deutschsprachigen Büchern des 21. Jahrhunderts. Dieses Jahr veröffentlichte der langjährige Wahl-New Yorker seinen neuesten Roman Tyll in den USA, drei Jahre nachdem er in Deutschland zu einem Bestseller geworden war.

6. Wolfgang Ischinger über über eine europäische Zukunft des Friedens und der Stabilität

Der ehemalige deutsche US-Botschafter und Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz spricht über die Stellung Europas in der internationalen Politik. Im Gespräch mit Host Tom Zoellner und Co-Host Aida Baghernejad erklärt der Autor von World in Danger: Germany and Europe in an Uncertain Time, wie gemeinsame Werte wie „Wahrheit, Vertrauen und Transparenz“ wieder gestärkt werden können und was es heißt, die transatlantischen Beziehungen in turbulenten Zeiten neu zu beleben.

Foto: MSC/Kuhlmann

5. Sviatlana Tsikhanouskaya & Franak Viačorka zur Krise in Belarus

Die Gäste in dieser Episode sind die belarussischen Oppositionspolitikerin Sviatlana Tsikhanouskaya und Franak Viačorka. Tsichanouskaya, die bei den Wahlen 2020 kandidierte, befindet sich derzeit im Exil in Litauen. Sie gilt als eine der wichtigsten Stimmen der demokratischen Opposition in Belarus. Viačorka ist Journalist und Aktivist im belarussischen Kampf für Demokratie und persönliche Freiheit. Die beiden sprechen mit Tom Zoellner und Ko-Moderatorin Aida Baghernejad über die Situation in Belarus und ihre Erfahrungen im Wahljahr.

4. Dipayan Ghosh über digitale Demokratie

Wie sollten Demokratien mit der zunehmenden Macht von Technologieunternehmen umgehen? Dipayan Ghosh ist ehemaliger Berater für Technologie- und Wirtschaftspolitik der Obama-Administration. Er forscht an der Harvard Kennedy School zu den Zusammenhängen von digitaler Piraterie, künstlicher Intelligenz und Bürgerrechten. Sein kürzlich veröffentlichter Bericht „Utilities for Democracy - Why and How the Algorithmic Infrastructure of Facebook and Google must be regulated“ dient als Ausgangspunkt für ein Gespräch mit Host Tom Zoellner.

3. Conny McCormack über Wahlmechanismen

Conny McCormack war als internationale Beobachterin fairer Wahlen in Albanien, Ecuador, Finnland, Panama, Sambia und anderen Ländern tätig. Von 1995 bis 2008 war sie Wahlbeobachterin für den Bezirk Los Angele, in San Diego und Dallas. In dieser Episode spricht sie mit Tom Zoellner über das, was sie als „frontline of democracy“ bezeichnet. Dazu gehören die Arbeit bei der Durchführung einer Wahl, die Unvermeidbarkeit menschlichen Versagens im Wahlprozess und das nachweisliche Ausbleiben von Wahlbetrug bei amerikanischen Wahlen im letzten Jahrhundert.

2. David Shimer zur Anfälligkeit demokratischer Wahlen

David Shimer ist Global Fellow am Woodrow Wilson International Center for Scholars und Associate Fellow an der Yale University. Seine Berichte und Analysen erschienen in der New York Times, dem New Yorker und der Washington Post. Er promoviert er an der Universität Oxford im Bereich internationale Beziehungen. In dieser Episode spricht er mit Tom Zoellner über die Bedeutung ausländischer Einmischung für die Zukunft der Demokratie im digitalen Zeitalter, sowie über sein aktuelles Buch Rigged: America, Russia, and 100 Years of Electoral Interference.

1. Rebecca Solnit über Hoffnung in politisch dunklen Zeiten

Rebecca Solnit ist Autorin von zwanzig Büchern, Schriftstellerin, Historikerin, Essayistin und Aktivistin und erster Gast der neuen Podcast-Reihe. Die Autorin von Men Explain Things to Me, Savage Dreams, Infinite City, A Paradise Built in Hell, Recollections of My Nonexistence und, kürzlich erschienen, The Mother of All Questions ist eine Denkerin, die sich für radikale Gleichheit und wirtschaftliche Gerechtigkeit engagiert, für die nur "ein Engagement für die Zukunft die Gegenwart bewohnbar macht". Solnit wird interviewed von Tom Zoellner und Co-Host Amal Khaled (Projektdirektorin bei Wunderbar Together).


In Partnerschaft mit Los Angeles Review of Books, dem Goethe-Institut Boston, den Goethe Pop Ups in Seattle, Houston, und Kansas City und Wunderbar Together. Mit freundlicher Unterstützung von Dublab. Tonaufnahmen und Postproduktion von Lisa Bartfai, unabhängige Radioproduzentin, Übersetzerin und Medienpädagogin.

       https://www.dublab.com/


Der Villa Aurora & Thomas Mann House e. V. wird gefördert vom Auswärtigen Amt und von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.