Events | Televised Democracy: Media and Politics in an Attention Economy. Christoph Bieber & Stephen Engel im Gespräch. Moderiert von Lorraine Ali

Los Angeles, Thomas Mann House | 22. September 2022 | 4:00 (MEZ)

Der Politikwissenschaftler und Thomas Mann Fellow Christoph Bieber und der US-Fernsehproduzent und -autor Stephen Engel (Big Bang Theory, Just Shoot Me) diskutieren über Potenzial und Gefahren der Verflechtung von narrativen Unterhaltungsformaten und öffentlichen politischen Diskursen. Das Gespräch wird moderiert von Lorraine Ali, Journalistin und Fernsehkritikerin der Los Angeles Times.

In seinem jüngsten Beitrag für die New York Times warnt der Journalist Ezra Klein vor einem Verschwimmen der Grenzen zwischen Unterhaltung und politischem Diskurs. Er fürchtet, dass in diesem Fall möglicherweise nur noch Entertainer:innen in der Lage sein könnten, unsere Erwartungen an Politiker:innen zu erfüllen, und die Berichterstattung über politische Ereignisse zu „Unterhaltungspaketen“ geschnürt wird.

Prominente Beispiele hierfür finden sich durch die Geschichte und in allen politischen Lagern, etwa die Präsentation und das Setting von Volodymir Zelenskys Videoansprachen, Donald Trumps Hintergrund im Reality-TV und der serielle Stil sowie das Format der jüngsten Berichterstattung über die Anhörungen zur Stürmung des Kapitols am 6. Januar. In einer Ökonomie der Aufmerksamkeit prägen Produktions- und Schreibmethoden der audiovisuellen Medien die Art und Weise, wie politische Debatten der Öffentlichkeit präsentiert werden. Von den ersten im Fernsehen übertragenen Präsidentschaftsdebatten bis hin zu Ronald Reagan oder Arnold Schwarzenegger, deren politischen Ämtern eine erfolgreiche Schauspielkarriere vorausging, haben Medientechnologien und ihr Einsatz in der Unterhaltungsindustrie stets den öffentlichen Diskurs und die Art und Weise, wie Politiker:innen Medienumgebungen genutzt haben, geprägt und beeinflusst.

2022 Thomas Mann Fellow Christoph Bieber, Professor für Politikwissenschaft am Center for Advanced Internet Studies in Bochum, und der US-amerikanische Fernsehproduzent und Autor Stephen Engel diskutieren darüber, wie politische Debatten in einer sich rasant verändernden Öffentlichkeit erzählt und präsentiert werden. Politische Akteur:innen greifen auf Routinen, Formate und Narrative zurück, die ursprünglich in den Unterhaltungsmedien entwickelt wurden. Sie tun dies nicht nur in Wahlkampfzeiten, sondern auch in alltäglichen politischen Zusammenhängen wie Plenarsitzungen oder Ausschussanhörungen. Mit der Diskussion über verschiedene Medienformate und der Analyse historischer Beispiele sollen die Vorteile und Fallstricke der Verflechtung von Unterhaltungsindustrie und politischem Diskurs in den USA und Deutschland erörtert werden. Moderiert wird das Gespräch von Lorraine Ali, Fernsehkritikerin bei der Los Angeles Times und preisgekrönte Journalistin, die für Publikationen von der New York Times bis zum Rolling Stone geschrieben hat.

Die Veranstaltung findet im Thomas Mann House statt und ist nur auf Einladung zugänglich.

Teilnehmer:innen

Photo: Los Angeles Times

Lorraine Ali ist Fernsehkritikerin bei der Los Angeles Times. Zuvor war sie leitende Autorin für den Kalenderteil, wo sie über Kultur im Allgemeinen, Unterhaltung und amerikanisch-muslimische Themen berichtete. Ali ist eine preisgekrönte Journalistin und stammt aus Los Angeles. Sie hat bereits für Publikationen wie die New York Times, Rolling Stone und GQ geschrieben. Zuvor war sie Musikredakteurin bei der Times und davor leitende Autorin und Musikkritikerin beim Magazin Newsweek. Zu ihren Auszeichnungen gehören der Preis für das beste Online-Feature der New York Association of Black Journalists im Jahr 2007 und ein Excellence in Journalism Award der National Arab Journalists Association im Jahr 2002. Im Jahr 1996 wurde sie bei den Music Journalism Awards als beste nationale Feature-Story ausgezeichnet.

 

Christoph Bieber ist Professor für Politikwissenschaft an der NRW School of Governance, Universität Duisburg-Essen. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Ethik in Politikmanagement und Gesellschaft. Bieber hat zahlreiche Publikationen zu den Auswirkungen der Online-Kommunikation auf politische Akteur:innen veröffentlicht, ein besonderer Fokus liegt dabei auf den Auswirkungen der Digitalisierung auf das politische System der USA. Seit 2018 ist er an das Center for Advanced Internet Studies (CAIS) in Bochum abgeordnet, wo er als Forschungsprofessor das Programm Digital Democratic Innovations leitet, das von 2021 bis 2026 läuft. Auf Twitter ist er als @drbieber bekannt.

Stephen Engel ist ein US-amerikanischer Fernsehproduzent und Autor. Als Absolvent der Tufts University setzte Engel seine Ausbildung an der NYU fort und erwarb einen Abschluss in Jura. Während er als Anwalt arbeitete, verbrachte er seine Nächte und Wochenenden mit dem Schreiben von Drehbüchern, was zu Aufträgen für Produzenten wie Steven Spielberg und Joel Silver führte. Engel schrieb danach für Fernsehserien, darunter The Big Bang Theory, Just Shoot Me, Mad About You und Dream On. Engel ist zudem Schöpfer und ausführender Produzent der CBS-Serie Work With Me, der NBC-Serie Inside Schwartz und der ABC-Serie The Big House. Darüber hinaus unterrichtet er TV-Drehbuch-Schreiben an der UCLA School of Theater, Film & Television.

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