Events | Ausstellung: all the lonely people

Los Angeles | 4. Dezember 2021 – 22. Januar 2022

LAXART
7000 Santa Monica Blvd
Los Angeles CA 90038

In Andenken an Kaari Upson (1972 – 2021)

Saâdane Afif, Vajiko Chachkhiani, Louisa Clement, Lauren Halsey, Annika Kahrs, Susan Philipsz, Anri Sala, April Street, Thomas Struth, Andrea Zittel

L.A./Berlin, 16. November – Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Villa Aurora zeigt VATMH (Villa Aurora & Thomas Mann House) bei LAXART die Ausstellung „all the lonely people“. Die von Nana Bahlmann kuratierte Ausstellung greift die jahrtausendealte Tradition des Eremitentums auf und präsentiert vor dem Hintergrund der aktuellen Pandemie künstlerische Darstellungen von Einsamkeit, Melancholie und Sehnsucht sowie von physischem und mentalem Rückzug. Die Werke ehemaliger Stipendiat:innen der Villa Aurora sowie in Los Angeles lebender Künstler:innen sind zum Teil in persönlicher Isolation und zum Teil eigens für die Ausstellung entstanden. Vor L.A. wurde “all the lonely people” im Herbst 2021 in Berlin im silent green Kulturquartier gezeigt.

„all the lonely people“ macht die Erfahrung von Isolation und Einsamkeit sichtbar. Dabei greifen die Kunstwerke tradierte Motive der Einsiedelei wie den Rückzug in die Natur, Melancholie und Kontemplation, Innen und Außen, Austausch und Stille, Ausgrenzung und Trauma auf und wenden diese auf dringliche Fragen der Gegenwart an. Sie geben Themen wie der Einsamkeit im digitalen Zeitalter, autarken Lebensweisen oder imaginierten Zufluchtsorten in Zeiten von Gentrifizierung und systemischer Unterdrückung eine visuelle Gestalt und eine neue Form.

Nana Bahlmann, Kuratorin: „Allein zu sein hat in den langen Monaten der Lockdowns eine ganz andere Bedeutung erlangt. Künstler:innen haben einige Instrumente im Umgang mit Isolation anzubieten, ist Distanz doch ein wesentlicher Bestandteil der künstlerischen Positionierung zur Welt. Kunst transzendiert Einsamkeit, indem sie sie sichtbar macht, interpretiert und damit Gelegenheit gibt, sie zu teilen und das versuchen wir mit dieser Ausstellung.“

Heike Catherina Mertens, Geschäftsführerin VATMH: „Für viele Künstler:innen ist die Villa Aurora ähnlich einer Einsiedelei ein Ort des Rückzugs und der Kontemplation, an dem aus der Distanz Inspiration für Neues entsteht. Für Schriftsteller:innen und Journalist:innen, die in ihrer Heimat bedroht werden, ist sie zugleich – wie schon 1943 für Marta und Lion Feuchtwanger – ein Zufluchtsort, ein Sanctuary. Diese Aspekte wollten wir mit einer Ausstellung zum 25. Geburtstag des Hauses aufzeigen und den Austausch zwischen den Kunstszenen Berlins und Los Angeles stärken.“

Die ausgewählten Werke der Ausstellung reflektieren den Topos des Einsiedlers mit verschiedenen Medien wie Fotografie, Video, Skulptur, Klang und Installation: Vajiko Chachkhianis Video Life Track zeigt ein eindrückliches Bild eines physisch wie mental isolierten Mannes, dessen Einsamkeit sich nicht zwingend in der Abgeschiedenheit zutragen muss, sondern mitten in unserer Gesellschaft meist ungesehen bleibt. Louisa Clements Repräsentantin, ein lebensechtes Selbstporträt der Künstlerin als „Real Doll“, thematisiert die Entfremdung vom Selbst, die stattfindet, wenn sich das eigene virtuelle Abbild von der Realität merklich entfernt, die Einsamkeit eines zusehends im Netz gelebten Lebens. Thomas Struths Arbeiten Vacuum Chamber, JPL, Pasadena und GRACE-Follow on Bottom View, IABG, Ottobrunn stellen Orte hermetischer Isolation dar und evozieren den Eindruck unendlicher Weite, wodurch die Idee der Entfremdung ins All ausgedehnt wird.  Bahlmanns Ausstellung balanciert zwischen Natur und Künstlichkeit, wie in den Werken Annika Kahrs und Andrea Zittels. Kahrs Playing to the Birds erzählt vom Versuch, durch Musik und Kommunikation die Einsamkeit zu überwinden, während Andrea Zittels Wall Sprawl (Next to Las Vegas Bay) – Luftaufnahmen von Randgebieten, die die Weite der Wüste mit großflächigen urbanen Entwicklungsräumen in einer ornamentalen, allumfassenden Tapete verbinden –das Zusammentreffen von Natur und Zivilisation darstellt. Das Werk wird beinahe den gesamten Ausstellungsraum umspannen, als Rahmen der Ausstellung im Ganzen. April Streets Still Life at 12 o’clock schafft mit Bezug auf die Naturverbundenheit von Einsiedlern eine fantastische Weltlandschaft, in der sich physische Realität und Innenwelt auf einer Bildebene vereinen Lauren Halsey zeigt eine Ziegelmauer als Repräsentation der Straße, die zum ultimativem, kollektiven Zufluchtsort vieler Ausgegrenzter ihres Kiezes wird: South Central, ein für Rassenunruhen und Bandenkriminalität bekannter Stadtteil in Los Angeles. Während Suzan Philipsz in Trees and Flowers der Angst vor Einsamkeit und Isolation ihre Stimme leiht, erfasst Anri Sala in seiner frühen Videoarbeit Uomoduomo geradezu metaphorisch die isolierte Existenz eines Obdachlosen, der gezwungen ist, außerhalb der Gesellschaft zu leben. Und Saâdane Afif erkundet in einer neuen Arbeit Strategien geteilter Autor:innenschaft im Kontext der künstlerischen Selbstbegegnung im eigenen Werk.

Ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Filmen, Lesungen, Gesprächen, Performances und Konzerten ergänzt die Ausstellung.

Die Ausstellung wird großzügig gefördert vom Auswärtigen Amt, der Senatskanzlei Berlin, der Friede Springer Stiftung und einem privaten Mäzen.

Die Ausstellung in Los Angeles wird zudem durch Unterstützung der Andy Warhol Foundation for the Visual Arts und des LA Arts Recovery Grant ermöglicht.

LAXART

LAXART ist ein gemeinnütziger Raum für bildende Kunst, der Entwicklungen in zeitgenössischer Kultur durch Ausstellungen, Publikationen und öffentliche Programme fördert. LAXART versteht zeitgenössische Kunst als Mittel zum Verständnis gegenwärtiger Schlüsselthemen und all ihrer Widersprüchlichkeiten. Zeitgenössische Kunst kann viele Formen annehmen. Anstatt Antworten zu geben, wirft sie Fragen auf. Durch eine Auswahl an Angeboten kontextualisiert LAXART zeitgenössische Kunst sowohl gesellschaftlich als auch kunsthistorisch. LAXARTs Programme sind kostenlos und für die Rezeption durch ein breites Publikum konzipiert.

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